Neukonzeption des Plenarbereichs - Niedersächsischer Landtag, Hannover - Ankauf

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Neukonzeption des Plenarbereichs - Niedersächsischer Landtag, Hannover

Wettbewerb: Januar 2010 Ankauf

Landschaftsarchitekt:
WIRTZ INTERNATIONAL
landscape architecture
Schoten, Belgium


Eine Neukonzeption des Plenarbereiches mit den in der Wettbewerbsauslobung formulierten Raum- qualitäten, energetischen Nachhaltigkeitstandards und funktionalen Anforderungen gemäß dem heutigen Selbstverständnis des Parlaments, insbesondere die grundsätzliche Änderung des Tageslichtbezuges, kann im bestehenden Plenarbereich nicht umgesetzt werden, ohne die wesentlichen Ansätze des introvertierten, klausurartig geschlossenen Oesterlen-Entwurfes zu verleugnen, ohne diesen so stark zu verfremden, dass die ursprünglichen Kernideen konterkariert würden. Ein Abriss und Neubau des Plenarbereiches erscheint daher in Abwägung zwischen Denkmalerhalt und Programmumsetzung konsequent und richtig. Für den vorhandenen Foyerbereich mit Lichthof bietet sich jedoch ein Erhalt und behutsamer Umbau an.
Das Leineschloss als gelebter Ort der parlamentarischen Demokratie soll in behutsamer Ergänzung des Bestandes Offenheit und Bürgernähe ablesbar im Außen- und Innenraum darstellen. Der Plenarsaal als Herz der parlamentarischen Demokratie stellt sich selbstbewusst und ablesbar der Öffentlichkeit dar. Es wird ein lebendiger Fluss von Ein-und Ausblicken gestaltet. Die transparente Hülle bekommt ein Kleid aus Messingpaneelen mit strukturierter, perforierter Oberfläche, die verschiebbar sind und als wirksamer außen liegender Sonnenschutz dienen. Diese Fassadenkonzeption bewirkt eine variable äußere Gestalt, die sich nach Sonnenstand und nach Anforderung ändert. Eine lebendige Vielzahl von möglichen Konstellationen lässt den Landtag immer wieder in neuem Licht mit identitätsstiftender Charakteristik erscheinen. Die gläserne Außenhaut des Plenarsaales wird innen weitergeführt. So ist der Saal außen wie innen ablesbar. Gleichzeitig öffnet er sich zur Besuchergalerie komplett und zur Lobby hin in definierten Teilbereichen. Die opaken Flächen nehmen die Materialität der äußeren Verschattungspaneele wieder auf. Der Plenarsaal wird von zwei massiv ausgebildeten Bauteilen eingefasst, die das Bauvolumen des Leineschlosses komplettieren. Er ist förmlich gefasst von der Geschichte des Standortes. Maß und Material der Fassaden reflektieren das Vorgefundene, das Neue artikuliert sich jedoch reduziert. Der Neubau nimmt Breite und Höhe des Bestandsflügels auf und setzt den Säulenportikus in die Mitte. Durch diesen Haupteingang betreten sowohl Besucher als auch Parlamentarier das Gebäu-de. Auf kurzem Wege gelangen die Abgeordneten in den Lobbybereich. Das zentrale Atrium bleibt in Größe und Struktur bestehen, erhält ein Glasdach und wird so zur lichtdurchfluteten Eingangshalle, die den Besucher auf repräsentative aber offene Weise empfängt.
Die der Information der Öffentlichkeit dienenden Räume der Landespressekonferenz sowie der Mediensaal für Besucher werden zentral in das Foyer nach dem „Haus im Haus“-Prinzip als gläserner, transparenter Kubus eingestellt. Die Räume werden über das glasgedeckte Foyer mit Tageslicht versorgt. Die zentrale Positionierung dieser Nutzungen unterstreicht den Anspruch des Landtages als „Offenes Haus“. Die optimal gelegene Fläche oberhalb des Leipnizsaales im Obergeschoss wird für den ge-forderten weiteren Anhörungssaal umgenutzt. Die bisher dort untergebrachten Büroflächen werden gegenüber ohne funktionale Einschränkung an der Nordseite des Gebäudes nach-gewiesen.
Der Plenarsaal wird durch drei barrierefreie Eingänge erschlossen, die auch als „Hammelsprungtüren“ genutzt werden können. Die Sitzordnung im Plenarsaal folgt der bewährten, leicht ansteigenden Anordnung. Auf diese Weise sind gute Sichtbeziehungen gewährleistet. Die Einbauten im Plenarsaal werden in hellem Holz realisiert. Die Akustikoberflächen der Wände werden im gleichen Material ausgeführt. Der Fußboden kontrastiert dazu in Raucheiche. Durch die Materialwahl wird eine warme Arbeitsatmosphäre gestaltet. Die seitlichen Flachdachterrassen werden extensiv bepflanzt und bereichern den sinnlichen Wahrnehmungsreigen des Saals.
Der Zugang zum Restaurantbereich erfolgt über die bestehende Scherentreppenanlage sowie über einen neu hinzugefügten geräumigen Aufzug. So wird eine großzügige, für Besu-cher als auch für Parlamentarier und Bedienstete des Landtages gut erreichbare Erschließung angeboten, die weder Lobby noch Foyer dominiert. Die Großzügigkeit setzt sich im Sockelgeschoss fort. Der gesamte Gastronomiebereich wird durch zwei Stützenreihen gegliedert und offen sowie flexibel angelegt. Eine Vielzahl von Nutzungsmöglichkeiten und –kombinationen wird durch variable Glaselemente ermöglicht. Durch die Ausrichtung zur Leine und zum neu gestalteten Park werden interessante, schöne Außenbezüge und eine hohe Aufenthaltsqualität gestaltet. Der neue Saal sowie das Restaurant erhalten einen separaten Zugang vom Park der Göttinger Sieben aus. Diese beiden Bereiche können auf vielfältige Weise miteinander verbunden und gemeinsam genutzt werden. Das Catering für die Lobby und die Besuchergalerie wird über einen separaten Aufzug gewährleistet, der im Sockelgeschoss gut an Küche, Lager- sowie Anlieferungsbereich angebunden ist.

Erläuterung Landschaftsplanung
Das Konzept strebt danach, den offenen Raum nicht als Restfläche, sondern als Teil eines größeren Ensembles, des breiten Parks entlang der Leine, darzustellen. Die Idee ist, die großen Strukturen und Beziehungen in diesem Stadtteil zu stärken, Lebensqualität und städtebauliche Qualitäten zu verbessern und die nachteiligen Einflüsse der Eingriffe aus der Nachkriegszeit einigermaßen zu heilen. Zentral steht für uns dabei das Empfinden der kleinen menschlichen Figur in dieser großzügigen städtebaulichen Struktur.