Junge Quartiere für das Wohnen im Alter, Münster


Junge Quartiere für das Wohnen im Alter, Münster

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02-perspektive-altumstrasse
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01-lageplan
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Landeswettbewerb 2006 „Junge Quartiere für das Wohnen im Alter“ - Münster

Wettbewerb          2. Preis, Teilrealisierung

Projektstandort:    Münster

BGF                    14.922 m²

Erläuterung

Das Kreuzviertel ist geprägt von einer den Straßenzügen folgenden Blockrandbebauung, teilweise hinter schmalen Vorgärten zurückliegend, auf einer eigentumsbedingten, kleinteiligen Parzellenstruktur. Trotz Kriegsschäden und der Vielzahl der Eigentümer bleibt der Baustil der Gründerzeit vorherrschendes Merkmal.
Das Bebauungskonzept für die Brache an der Schulstraße hat diese Prägung aufzunehmen, allerdings unter Reaktion auf die von der historischen Situation abweichenden Vorgaben einer Großparzelle und Umsetzung durch nur einen Bauherrn als Investor.
Nicht Kettung von Einzelbauten unter Vorspiegelung einer historisierenden Kleinteiligkeit oder aufgesetzte Rasterung, sondern eine skulpturale Form, die sich flexibel in die vorgefundene Situation einfügt, gibt dem Entwurf eine übergeordnete Struktur und Ordnung:
Sie nimmt Rücksicht auf die Nachbarbebauung, setzt Akzente wo sie städtebaulich erforderlich und wünschenswert sind, reagiert auf den Standort wertvoller Bäume, definiert spannungsreiche Außenräume - und kann daher auch standortunabhängig als Gestaltungs- ansatz für den Umgang mit innerstädtischen Brachflächen funktionieren.
Um die Baukörper mit hochformatigen Proportionen zu gliedern, die gewünschte Kleinteiligkeit zu gestalten, Adressen und individuelle Situationen zu schaffen, werden Kerben und Aussparungen in die Gebäudeform eingeschnitten. Durch dieses Herausschneiden aus dem Volumen werden Eingänge, begrünte Loggien und Dachterrassen mit Belichtung der Dachgeschossebene geformt. Es entsteht eine Spannung zwischen zusammenhängender Struktur und Nutzungs- differenzierung, die für architektonische Lösungen sorgt, die vielfältig und individuell daher kommen, ohne den identitätsstiftenden Zusammenhang zu verlieren.
Das Dach der Gebäude ergibt sich als fünfte Schnittfläche der Skulptur mit differenzierten Neigungen, Trauflinien und -höhen, die sensibel auf die Nachbarbebauung reagieren können.
Die Fassaden werden in einer Schichtung aus den für Münster ortstypischen Materialien Ziegel und Sandstein gestaltet.

Verkehr:
Für Kranken-, Müll-, Feuerwehrwagen und ähnlich große Fahrzeuge des Anliegerverkehrs wird durch eine Kerbe in der Randbebauung der Schulstraße eine beschränkte Durchfahrt zwischen Altumstraße und Schulstraße gewährt. Für den individuellen PKW-Verkehr werden an diesen Anliegerstraßen Wendemöglichkeiten angeboten. Der Radverkehr kann über Durchlässe zur Grevener Straße gelangen. Das Stellplatzangebot wird oberirdisch an der Schul- und der Altumstraße ergänzt und es wird eine Tiefgarage mit Zufahrt von der Grevener Straße angelegt.

Grün:
Die Blockbildung reagiert an der Altumstraße auf die vorhandenen Baumgruppen und öffnet sich hier mit dem im Wesentlichen an seinem angestammten Platz verbleibenden, aus dem näheren und weiteren Umfeld gut erreichbaren Spielplatz. Die Terrasse des Cafes ist zum Spielplatz hin ausgerichtet und bietet so die Möglichkeit für einen Cappuccino bei der Aufsicht der lieben Kleinen. Von hier erschließt sich, unter Erhalt eines Großteils des Baumbestandes, eine Abfolge von grünen Aufenthaltsbereichen im Blockinnern in einem gut austarierten Verhältnis von öffentlichem, halböffentlichem und privatem Charakter. Ein Wegenetz durch den Block sorgt für Durchlässigkeit für Fußgänger und Radfahrer.

An den Investor:
Trotz der skulpturalen Form kann die Baumaßnahme in konventioneller, massiver Bauart ausgeführt werden. Standardisierte Detaillösungen werden mannigfaltig variiert und tragen so zur Belebung und Gliederung der Baukörper bei. Konzeptionell bedingt wird eine hohe Flexibilität bei Zuschnitt und Zuordnung der verschiedenen Wohnformen erreicht. Die zeitgemäße Architektur greift auf einfache, bewährte und wert- beständige Materialien zurück.

Initiative - Mehrgenerationenwohnen
Für die sozial und demographisch gemischte Be- wohnerstruktur sind verschiedene Wohnungsgrößen und -typen vorgesehen. Mit dem extra-großen, gemeinsamen Erschließungsbereich entsteht ein Multifunktionsraum als Kommunikationszentrum und für gemeinsame Aktivitäten. In den Obergeschossen kann diese Zone als Wellness- und Pflegebereich genutzt werden oder alternativ die beiden Wohnungen auf der Etage direkt verbinden (Einliegerwohnung). Auf einer Etage befindet sich jeweils eine große (Familien-) wohnung und eine kleine Wohnung für eine alleinstehende Person. Hier kann zum Beispiel die Oma oder der Opa selbstständig in seiner Wohnung leben und doch nahe bei den Angehörigen wohnen.
Eine barrierefreie Erschließung und die behinderten- gerechte Ausstattung der Wohnungen ermöglichen die soziale Integration von Behinderten. Bei der Grundrisskonzeptionierung speziell der großen Wohnungen wird eine Abkehr von spezialisierten Grundrissen verfolgt. Es soll keine Hierarchie der Zimmergrößen geben: das Elternschlafzimmer ist ähnlich groß wie Kinderzimmer, Arbeitszimmer, Bibliothek, Gästezimmer etc. Dadurch entsteht eine große Flexibilität und die Nutzung der einzelnen Räume kann sich mit den Lebensumständen ändern. Dieser Vorteil kann bei den beliebten und ähnlich strukturierten Gründerzeitwohnungen im Kreuzviertel nachvollzogen werden. Der große gemeinsame Garten sowie eine große Dachterrasse stehen für gemeinsame Feste und Aktionen zur Verfügung.

Pflegeeinrichtung nach dem Gruppenwohnmodell
Im Gesamtkomplex werden drei geförderte Pflege- gruppen mit jeweils acht Bewohnern eingestreut. Zentrales Element der Hausgemeinschaftswohnungen sind die Küche und der gemeinsame Wohn- und Essbereich. Diesem Bereich sind zwei Loggien zugeordnet, eine nach Osten, die andere nach Westen orientiert. Der großzügige Garten ist von allen drei Wohnunggruppen erreichbar.

Stadtvillen
Die angebotenen Stadtvillen weisen die traditionellen kleinen Vorgärten auf. Die Grundrisse sind individuell anpassbar. Die Raumhöhen wurden höher als im Geschosswohnungsbau geplant. Die Gartenbereiche werden durch Dachterrassen ergänzt.

Initiative - Lebenssituationsgruppen
Singles, die sich in einer ähnlichen Lebenssituation befinden, schließen sich in einer Wohngemeinschaft zusammen. Dies gilt natürlich für Studenten, jedoch zunehmend auch für selbstständig lebende Menschen mit Behinderungen, alleinstehende Berufstätige oder auch Senioren. Es wird eine einfache und robuste bauliche Grundstruktur mit Individual- und Gemeinschaftsbereichen zur Verfügung gestellt, die mit unterschiedlich organisierten Wohnkonzepten gefüllt werden kann. Die Raumorganisation vermittelt zwischen den Kommunikations- und Rückzugsbedürfnissen der Bewohner.

Betreutes Wohnen
Im Gebäude entlang der Grevener Straße werden förderungsfähige Wohnungen in unterschiedlichen Größen angeboten, die für betreute Seniorenwohnungen oder eine Generationsmischung geeigent sind. Außerdem gibt es einen Gemeinschaftsraum als Treffpunkt, ein Stadtteilcafe, Arztpraxen sowie einen Stützpunkt für ambulante Dienste.
Das Gebäude weist eine einhüftige Erschließungs- struktur auf mit Anordnung von Nebenräumen zur Erschließungszone. Hierdurch wird ein Schall- schutzpuffer zur Grevener Straße erreicht. Die Wohnungen sind zum grünen Innenbereich ausgerichtet.

Maisonettewohnungen
Als Variation zu den Stadtvillen werden auch Wohnungen über zwei Ebenen angeboten, die die räumliche Disposition von Einfamilienhäusern aufweisen und gleichzeitig zentral im ruhigen Innenbereich liegen.

Penthäuser
Im Bereich der Uppenbergstraße werden im obersten Geschoss großzügige Penthäuser angeordnet. Diese runden das Angebot an unterschiedlichen Wohnungs- typen ab und weisen eine hohe Wohnqualität auf. Die geneigten Dachflächen werden durch entsprechende Raumhöhen erlebbar. Das Einfügen von Galerieebenen sorgt für spannende Raumfolgen.

Schulgebäude
Die denkmalgeschützte Eichendorffschule wird in ihrer Struktur erhalten. Erdgeschoss und 1. Obergeschoss sind für die Künstlerinitiative und weitere Ateliers vorgesehen. Im 2. Obergeschoss werden insgesamt fünf Wohnungen angeboten. Diese weisen nach dem Entfernen der nichttragenden und später eingebauten Wände einen Loft-Charakter auf, der atmosphärisch gut mit den Künstlerateliers korrespondiert.