Architekturpreis Beton 2011

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Architekturpreis Beton 2011: ALTES PARKHAUS Stubengasse Münster

Das Umbauprojekt Altes Parkhaus an der Stubengasse Münster ist mit dem renommierten Architekturpreis Beton 2011 ausgezeichnet worden.

Projekt:
Umbau ALTES PARKHAUS Stubengasse Münster
zu einem Wohn- und Geschäftshaus mit Fahrradgarage
Bauherr:    
WBI – Westfälische Bauindustrie GmbH
Projektstandort:    
Stubengasse 22-26, Münster
BGF:   6.000 m²
Fertigstellung:    Herbst 2010

Bei der Bewerbung um den Architekturpreis Beton steht nicht die perfekte Sichtbetonoberfläche oder der maximal mögliche Einsatz des Baustoffes im Vordergrund, son-dern die Revitalisierung oder besser Neuinszenierung einer in die Jahre gekommenen, recht banalen und in ähnlicher Form an vielen Orten vorfindbaren Stahlbeton-konstruktion. Eigentlich für die Nutzung als Parkhaus optimiert, entfaltet die Stahlbetontragstruktur durch die Setzung in einen neuen Zusammenhang eine ästheti-sche Wirkung, die den Raum prägt und mit ihrem rauhen Charme Charkter und Atmosphäre des Ortes bestimmt.

2008 erfolgte der Auftrag durch die städtische Tochter WBI, das abgängige Parkhaus an der Stubengasse durch Umbau und Erweiterung in ein Wohn- und Ge-schäftshaus mit integrierter Fahrradstation umzuplanen. Das bestehende Parkhaus von 1964 wird in Teilbereichen durch Entkernung und Abtragen der oberen Geschosse zurückgebaut. Basis des Entwurfs ist der Erhalt wesent-licher Teile der alten Bausubstanz bei völlig veränderter Nutzung. So wird der ehemalige Außenraum zum Innen-raum, ein nüchterner Zweckbau zum komplexen Raum-kunstwerk.
Das Erdgeschoss und das 1. Obergeschoss mit Mezza-nin werden bei Erhalt der Tragstruktur zu Verkaufs- und Ausstel-lungsflächen mit Loftcharakter, einer Fahrradga-rage und Büroräumen umgebaut. Es bleibt viel vom `Alten Parkhaus´ zu entdecken, die Struktur des vormali-gen Parkhauses bleibt ablesbar. Die Kragarme der ver-setzten Parkhausebenen ragen in den Luftraum, ruppig und offen. Den Showroom der Möbelwelt umgibt eine Aura, die aus dem schöpferischen Potential des Werk-stoffes Beton resultiert. Durch die große Glasfläche strahlt das Tragwerk nach außen zum Platz der Stuben-gasse aus. Sichtbetonstreifen zeichnen als veredelte Reminiszenz die Höhen des alten Parkhauses nach. Sie bilden den präzisen Rahmen der großen Verglasungen. Für die Fassaden wird ruppiger Backstein in chan-gierender Farbigkeit mit den hellen Sichtbetonfertigteilen kombiniert. Die Schichtung der Materialität von Beton und Ziegel folgt der Logik der Gebäudestruktur. Zur Ver-schattung der großzügigen Glasflächen werden an den Loggien prägnante Vorhänge vorgesehen. Die oberen beiden Geschosse werden auf dem bestehenden Tragwerk neu errichtet. Die statischen Lasten werden über das alte Betonskelett abgetragen. Hier entstehen acht Wohnungen mit Loggien, die über ein begrüntes Atrium erschlossen werden. In den Wohnungen wird mit Raumhöhen und Raumproportionen erfahrbar gespielt. Treppen erschließen die in der Vertikalen gestapelten Wohnfunktionen.
Es geht um Rückgewinnung von Stadtraum, um eine Parkhaus-Morphose. Es wird eine spannende Beziehung zwischen Ein- und Ausblicken mit dem Gegenüber des städtischen Platzes inszeniert. Nach innen gestülpt wird für das urbane Wohnen eine private Grün-Oase einge-bettet.
Das Projekt besetzt als abschließender Baustein eine wichtige Raumkante des neu geschaffenen Dreieck-platzes der Stubengasse und wurde als Teil des Ge-samtensembles Stubengasse mit dem Deutschen Städtebaupreis 2010 ausgezeichnet. Außerdem hat das Projekt eine Anerkennung bei der Auszeichnung guter Bauten 2010 BDA Münster - Münsterland erhalten.


Fotos: G. Erbring